Das Morse-Alphabet.
Die ersten Flugerfahrungen im normalen Linieneinsatz waren Ausbildungsflüge.
Da schaute man, ob die Flüge ordnungsgemäß durchgeführt, die Verfahren und Dienstvorschriften richtig angewendet wurden.
Auf allen Flugrouten flogen wir von einem Funkfeuer (=Navigationshilfe) zum nächsten.
Jedes dieser Funkfeuer war mit einem Buchstabenkode unterlegt.
Meist waren das 3 Buchstaben, z.B. DBK für Dubrovnik
Um die Navigationsanlagen richtig zu identifizieren musste man damals die Kennung in Form eines Morsekodes abhören.
Auf einem dieser Ausbildungsflüge merkte der Kapitän,
dass ich die Kennung zwecks Identifizierung immer von der Navigationskarte abgelesen hatte.
„Du musst das Morsealphabet auswendig kennen und nicht einfach anhand der Flugkarte vergleichen“, sagte Peter, der Kapitän.
So bekam ich die Aufgabe das Morsealphabet am Nachmittag im Hotel zu lernen.
Er wollte mich am nächsten Tag abfragen.
Ich musste mir eingestehen, dass ich das 10 Jahre zuvor mal gelernt, aber nie gebraucht, hatte.
So saß ich auf dem Zimmer und lernte „kurz-lang-lang-kurz“.
Zwecks besserer Übung schrieb ich dem Kapitän eine Nachricht im Morse-Alphabet.
Danach konnte ich es wieder auswendig.
Am nächsten Tag fragte ich ihn, ob er denn meine Nachricht gelesen hatte.
„Nein, aber du kannst mir ja erzählen, was da drin steht!“